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City Gardening ist nicht mehr nur ein Thema für „Ökos“

31.05.2019

Konni van Delft (Visual Merchandiser) – Foto: konnivandelft.nl

Konni van Delft (Visual Merchandiser) – Foto: konnivandelft.nl

Seit 1986 ist Konni van Delft freiberuflich als Visual Merchandiser tätig. Sie berät Gartencenter und Baumärkte in ganz Europa. Wir haben mit ihr über die aktuellen Trends bei der POS-Gestaltung gesprochen.

Frau van Delft, Sie sind auch 2019 wieder an der Gestaltung der POS Green Solution Islands für die spoga+gafa beteiligt. Ein Thema in diesem Jahr lautet: City Gardening. Warum ist dieses Thema derzeit für die Produktpräsentation am Point of Sale so interessant?

van Delft: City Gardening ist nicht mehr nur ein Thema für „Alternative“ oder „Ökos“. Ganz verschiedene Menschen interessieren sich mittlerweile dafür. Und ich bin davon überzeugt, dass dies kein kurzlebiger Trend ist, sondern eine Bewegung, die noch weiterhin stark wachsen wird. Hobbygärtner haben wieder Spaß daran, selbst Gemüse und Obst anzubauen, sogar auf kleinstem Raum: in Hinterhöfen, auf Balkonen und Dachterrassen oder in Schrebergärten. Man tut sich mit anderen zusammen, arbeitet und feiert gemeinsam im Garten und lernt die Nachbarn kennen. Wissen und Erfahrungen werden ausgetauscht und man kann seinen Kindern zeigen, woher unsere Lebensmittel kommen. Natürlich werden auch immer noch Blumen gepflanzt – aber die Grenze zwischen Zier- und Nutzpflanzen verwischt. Biodiversität und Artenvielfalt spielen bei dieser Entwicklung eine große Rolle. Heute ist es ein gutes Verkaufsargument, wenn ein Pflanze Nahrung für Bienen und andere Insekten bietet. Den Kunden wird immer bewusster, welche Verantwortung sie für die Natur in ihrer unmittelbaren Umgebung haben und dass auch sie etwas tun können, um unsere Städte lebenswerter zu gestalten. Dazu gehört auch, dass viele versiegelte Flächen wieder freigelegt werden. So können Wassermassen bei Starkregenfällen – die ja im Zuge des Klimawandels zunehmen werden – besser abfließen. „Ziegel raus – Pflanzen rein!“ lautet beispielsweise das Motto einer Initiative in den Niederlanden. In Deutschland gibt es eine, die heißt: „Rettet den Vorgarten!“.

All diese Punkte sollten Gartencenter und Baumärkte zukünftig bei ihrem Sortiment und ihrer Produktpräsentation berücksichtigen, um die wachsende Gruppe der Stadtgärtner für sich gewinnen zu können. Übrigens greift diese mittlerweile auch gerne auf fertige Lösungsangebote des Handels zurück – es müssen nicht mehr die selbstgebastelten Konstruktionen aus Recyclingmaterial sein, mit denen man sein grünes Paradies in der Stadt anlegt und einrichtet.

Sie beraten Visual Merchandiser Gartencenter nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in den Niederlanden, in Lettland, Litauen und Italien. Unterscheiden sich die Themenschwerpunkte der POS Gestaltung in den einzelnen Ländern? Oder sind die Wünsche der Gartencenter und die Interessen der Kunden mittlerweile in ganz Europa ähnlich?

van Delft: Grundsätzlich kann man sagen, dass die relevanten Themen früher oder später überall aufgegriffen werden. Oft sind die skandinavischen Länder Vorreiter, wenn es um Neuheiten geht. Dort ist man scheinbar besonders experimentierfreudig. Trends kommen nach wie vor zumeist aus den großen Städten. Von dort breiten sie sich dann aus – Ländergrenzen spielen dabei in Europa eigentlich kaum noch eine Rolle. Entscheidender für die Wünsche der Menschen sind regionale Besonderheiten: Manches entwickelt sich eher im urbanen Raum als in ländlichen Gegenden, wo viele einen großen Garten haben. Auch spielt sich das Leben im Süden eher draußen ab als in den nordischen Ländern. Aber egal, wo und wie er lebt, jeder Konsument ist empfänglich für neue Impulse. Die Supermärkte machen vor, wie es gehen kann: Sie erreichen ihre Kunden bereits mit gut durchdachten und gestalteten Präsentationen von Visual Merchandisern. Genauso sollten auch Gartencenter und Baumärkte die POS Gestaltung planen. Zu bedenken ist dabei immer: Die Gestaltung muss stets zur Strategie des Marktes passen – egal ob der Full Service, Convenience oder Discounter Gedanke im Vordergrund steht.

Man sagt, dass die baltischen Länder bei der Digitalisierung des Alltags viel weiter sind als beispielsweise Deutschland. Spielen das Internet und die Social-Media-Kanäle dort auch für das Marketing von Gartencentern eine größere Rolle?

van Delft: Es stimmt, dass einige Länder in Puncto Digitalisierung weiter sind als Deutschland. Aber generell holen sich heute die jüngeren und jung gebliebenen Kunden überall auf der Welt Ideen und Anregungen im Internet – egal, ob es sich dabei um Themen wie Mode, Freizeitgestaltung, Kochen oder eben Heim und Garten handelt. Daher sollten auch die Grüne und die DIY Branche diesen Kanal möglichst vielfältig nutzen. Facebook, Pinterest oder YouTube bieten sich für unsere „Nachrichten“ einfach an. Aus dem Marketing sind sie nicht mehr wegzudenken. Mit einem guten Bild oder kurzen Film erreicht man hier Kunden viel schneller als mit tausend Worten. Allerdings sollte niemand meinen, Social-Media-Aktivitäten ließen sich mal eben so nebenbei erledigen. Alles, was gepostet wird, sollte die Handschrift des Unternehmens tragen und auch auf die POS-Präsentation abgestimmt sein. Schafft man das nicht, sind die Kunden beim nächsten Besuch des Gartencenters oder Baumarktes möglicherweise enttäuscht.

Darf ich an dieser Stelle noch einen Wunsch äußern? Was ich gerne noch mehr in unserer Branche sehen würde, ist der Einsatz von QR-Codes. Damit könnte man dem Kunden relativ einfach sehr viele Informationen zur Verfügung stellen. Bei Pflanzen könnte er darüber beispielsweise etwas über die verschiedenen Sorten, die Anbaugebiete, den idealen Standort und die richtige Versorgung erfahren sowie zusätzliche Tipps und Gestaltungsideen für den Garten bekommen. Selbst Mitarbeiter in einem Gartencenter oder Baumarkt könnten durch die QR-Codes sicher noch etwas lernen.

Weitere Informationen: facebook.com/konni.vandelft

Die POS Green Solution Islands auf der spoga+gafa stellen die Pflanzen-Trendthemen in den Mittelpunkt.

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