spoga+gafa 18.–20.06.2023 #spogagafa

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Nachhaltige Gärten: Das Trendthema der spoga+gafa 2022

Modelle der Nachhaltigkeit

Wie der Begriff »Nachhaltigkeit« entstanden ist: Im Jahr 1713 erschien das Werk »Sylvicultura oeconomica« von Hans Carl von Carlowitz. Er war Oberberghauptmann des Erzgebirges. Im damaligen Bergbau wurde Holz in großen Mengen sowohl als Baumaterial wie auch als Brennstoff und zur Verhüttung eingesetzt. Angesichts drohender Holzknappheit infolge der fortschreitenden Waldvernichtung seiner Zeit empfahl von Carlowitz eine »… nachhaltende Nutzung …« der Wälder, sodass immer nur so viel Holz geerntet werden soll, wie durch Aufforstung nachwachsen kann. Damit gilt Hans Carl von Carlowitz als wesentlicher Schöpfer des forstlichen Nachhaltigkeitsbegriffs – der heute international auf alle Dimensionen des Handelns anwendet wird.

Das Drei-Säulen-Modell: Es entstand in den 1990er-Jahren und wurde durch eine Kommission für nachhaltige Entwicklung des Deutschen Bundestags einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Als Verdienst dieses Modells gilt die Benennung der Ökologie, des Sozialen und der Ökonomie als gleichwertige und gleichberechtigte Dimensionen, die grafisch als Säulen dargestellt werden. Kritiker verweisen auf den Umstand, dass in der Praxis einzelne Säulen stärker als andere Berücksichtigung finden sowie auf die Frage, warum Ökonomie als eigene Säule dargestellt wird, Politik und Kultur jedoch nicht.

Das Schnittmengen-Modell: Hier befinden sich die Bereiche der Ökologie, des Sozialen und der Ökonomie nicht mehr als nebeneinander stehende Säulen (wie noch im älteren Drei-Säulen-Modell dargestellt), sondern als kreisförmige Dimensionen, die sich in Teilen überschneiden. Nur im Zentrum der Schnittmengen befindet sich der Bereich der vollständigen nachhaltigen Entwicklung. Die Grafik zeigt somit auf, dass Zukunftsfähigkeit nicht zu erreichen ist, indem der Fokus auf einzelne Punkte gelegt wird, die im negativen Fall auch noch einander entgegenwirken, sondern nur im Zusammenwirken aller Punkte Nachhaltigkeit erreicht wird.

Das Vorrangmodell: Man kann es als Weiterentwicklung der Vorgängermodelle verstehen, dem es auf visuell prägnante Weise gelingt, die gegenseitigen Abhängigkeiten der Ökologie, des Sozialen und der Ökonomie als integrative Form darzustellen. Es sagt aus, dass eine intakte Umwelt die Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft bildet. Erst diese Rahmenbedingung ermöglicht ein dauerhaft zukunftsfähiges Wirtschaftssystem.

Das Donut-Modell: Die Ökonomin Kate Raworth veröffentlichte erstmals im Jahr 2012 die Grundlagen ihrer Theorie der Donut-Ökonomie. Sie beschreibt ein Wirtschaftsmodell, das in Gesellschaft und Umfeld eingebettet ist. Der Donut-Ring stellt die »sichere Zone« dar, in die es zurückzukehren gilt. Dafür müssen planetare Grenzen, wie der Klimawandel, die Versauerung der Meere und der Verlust der Artenvielfalt aufgehalten werden. Zu erreichen ist dies durch soziale Faktoren wie Bildung, politische Teilhabe und Gesundheit. Sie bilden das Fundament und die innere Begrenzung des Donut-Rings. Besonders hervorzuheben ist, dass dieses Modell die Ökonomie nicht mehr als eigene Dimension versteht, sondern als einen Faktor ohne Eigenwert, der nur als integrativer Aspekt der Nachhaltigkeit Zukunftsfähigkeit erzeugen kann.

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung: Hierbei handelt es sind um Zielsetzungen der Vereinten Nationen, die alle Dimensionen der Nachhaltigkeit umfassen. Sie wurden im Jahr 2015 von 193 Mitgliedsstaaten verabschiedet. International werden sie als »SDGs« abgekürzt und sollen binnen 15 Jahren erreicht werden. Den 17 Zielen wird trotz aller Kompromisse große Bedeutung zugeschrieben, da fast alle Mitgliedsstaaten die Beschlüsse unterzeichnet haben. Zur Durchführung einzelner und auch regional ausgerichteter Nachhaltigkeitsthemen, stehen insgesamt 169 ausformulierte Unterziele zur Verfügung. Dies passt auch gut zu unserem Verständnis einer nachhaltigen Entwicklung: denn jeder Punkt zählt!