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Interview mit Prof. Dr. Sascha Peters

Biomaterialien für Gartenprodukte

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Von Textilien aus Bananenfasern bis zu kompostierbaren Kunststoffen: Bei der Suche nach umweltfreundlichen Werkstoffen für Gartenmöbel oder Pflanztöpfe rücken regenerative Materialien in den Fokus. Wir sprechen mit dem Materialexperten Prof. Dr. Sascha Peters über neueste Entwicklungen in diesem Bereich.

Stuhl aus biologisch abbaubarem Material

Der Stuhl Catifa Carta von Arper besteht aus biologisch abbaubarem PaperShell. © PaperShell

Neue Generation von Biomaterialien

Lieber Sascha Peters, mit Ihrer Berliner Agentur Haute Innovation beobachten Sie die neuesten Materialtrends. Welche Entwicklungen sehen Sie zurzeit im Hinblick auf nachhaltige Outdoormaterialien?

Aktuell beobachten wir in all den Bereichen, in denen Produkte, Textilien und Möbel in natürlichen Umgebungen genutzt werden, den Wunsch zur Verwendung regenerativer Materialien. Kunden und Kundinnen würden dabei gerne auf synthetische Kunststoffe verzichten, jedoch ohne Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen. Herausfordernd ist dabei, dass regenerativen Materialien den extremen Outdoorsituationen bei Feuchtigkeit und starken Temperaturunterschieden bislang meist nicht gewachsen sind. Eine neue Generation hochentwickelter Biomaterialien schafft da jetzt Abhilfe.

Materialexperte Sascha Peters

Prof. Dr. Sascha Peters. © Haute Innovation

Textilien aus Bananenfasern

An welche Materialien denken Sie?

An erster Stelle sind da vor allem Textilien zu nennen, die aus besonders widerstandsfähigen Fasern aus tropischen Regionen hergestellt werden. Die Fasern von Kokosnusshülsen oder Bananenblättern sind extremer Feuchtigkeit ausgesetzt, was sie für Outdooranwendungen geeignet macht. Ich denke da zum Beispiel an Bananatex, ein technisches Textil des Taschenherstellers Qwstion aus der Schweiz, das vollständig aus verzwirnten Bananenfasern gewebt ist und mit Wachsen eine besondere Widerstandsfähigkeit erhält. Die Fasern stammen von den Philippinen und es werden unter anderem Sitzmöbel daraus gemacht. Da keine Kunststoffe genutzt werden, kann das Material dem biologischen Kreislauf rückgeführt werden.

Stühle aus recycelbaren Materialien

Sessel „Ensō“ aus recyceltem Aluminium und natürlich gewachsenen Pflanzenfasern. © QWSTION + Lehni

Papier statt Plastik

Können Sie weitere Materialbeispiele nennen?

Eine weitere kunststofffreie Materialinnovation, die sich für Outdoormöbel und -produkte eignen würde, ist PaperShell und kommt aus Schweden. Das Material wird bereits für Sitzschalen verwendet und besteht vollständig aus verpresstem Kraftpapier und einer Art pflanzlichen Harz, das auch aus Holzzellulose gewonnen wird. Je nach Ausführung kann es Aluminium ersetzen und stellt eine ideale Alternative für glasfaserverstärkte Kunststoffe dar. Ist das Produktleben am Ende, kann das Material durch Pyrolyse in Bio-Kohle überführt werden und die Bodenqualität im Garten verbessern.

Stuhl mit Sitzfläche aus biologisch abbaubarem Material

Für die Kreislaufwirtschaft entwickelt: Pato Paper Chair aus biogenem PaperShell. © Fredericia Furniture

Biologisch abbaubarer Kunststoff

Welche anderen Alternativen gibt es für herkömmliche Materialien?

Ein dritter Materialbereich, der sich für Outdooranwendungen besonders eignet, ist der Biokunststoff PHA. Er wird durch Bakterien hergestellt und ist von Natur aus biologisch abbaubar. Der Biokunststoff ist vergleichbar mit konventionellen Kunststoffen, die in Gartenprodukte für den Außenbereich genutzt werden. Der große Vorteil ist aber, dass sich das Material in der Umwelt rückstandslos zersetzt und kein Mikroplastik hinterlässt.

Bestehen bei solchen Materialien nicht Einschränkungen bei Textur oder Farbigkeit?

Bei der Markteinführung eines neuen Bio-Materials stehen vor allem Texturen und Farben meist nicht in der Breite zur Verfügung wie bei synthetischen Kunststoffen. Bei Letzteren ist ja wie wir wissen, eigentlich alles möglich. Je länger aber ein Material am Markt erhältlich ist, desto vielfältiger werden die Möglichkeiten – das ist ja ein ganz normaler Vorgang. Man braucht also ein wenig Geduld.

Kunststoff aus organischen Säuren

Der Kunststoff Polyhydroxyalkanoat (PHA) wird aus organischen Säuren produziert. © Fraunhofer IGB

Zirkuläre Zukunft im Outdoorbereich

Recycelte Materialien kommen in Gartenmöbeln oder Pflanztöpfen schon länger zum Einsatz. Wo sehen Sie den nächsten Schritt hin zur Kreislaufwirtschaft?

Auch bei recycelten Kunststoffen besteht die Gefahr, dass Partikel dieser Materialien im Boden oder der Natur verbleiben. Alternativen mit ähnlichen Eigenschaften wie konventioneller Kunststoff gibt es ja bereits. Pflanztöpfe aus Polystyrol könnten zum Beispiel durch solche aus Kokosnussfasern ersetzt werden. Zu dem Thema habe ich als Wissenschaftler am Fraunhofer IPT in Aachen im Jahr 2001 eine Diplomarbeit betreut – das ist also nicht neu.

Welche zukunftsweisenden Beispiele gibt es denn für kreislauffähige Materialien?

Eine weitere Alternative ist Golden Compound. Das Material besteht aus dem Biokunststoff PBS, der mit Fasern aus Sonnenblumenhülsen verstärkt wurde. Pflanztöpfe aus dem Material sehen aus wie aus Kunststoff und können auch so verarbeitet werden. Der große Unterschied ist jedoch, dass sich das Material im Erdreich zersetzt, also eine Pflanze einfach mit dem Topf in den Garten ausgepflanzt werden kann – so sollte die materielle Zukunft im Outdoorbereich aussehen.

Pflanztöpfe mit Setzlingen

Zirkuläre Zukunft: im Erdreich zersetzendes Bio-Material. © Foto: Markus Spiske auf unsplash