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Gibt es Alternativen zum Torf?

07.05.2019

Torfabbau – Foto: bernswaelz / Pixabay

Torfabbau – Foto: bernswaelz / Pixabay

Ein Thema, das Substrathersteller, Naturschützer und Verbraucher seit Jahren beschäftigt, ist Torf. Mit viel Engagement wird nach nachhaltigen Alternativen für den Erwerbsgartenbau und Hobbygartenbereich gesucht.

Rund sechs Millionen Kubikmeter Torf werden jährlich von den deutschen Herstellern für die Produktion von Substraten für Gärtnereien sowie Garten- und Balkonbesitzer verarbeitet. Denn der Rohstoff aus dem Moor hat zahlreiche Vorteile: Er kann ein Vielfaches seines eigenen Gewichtes an Wasser speichern, zersetzt sich nicht im Topf und ist so durchlässig, dass Pflanzenwurzeln gut atmen können. Angereichert mit Dünger, Sand, Ton oder Kalk lässt sich mit ihm für jedes Gewächs das passende Substrat herstellen. Die Ressourcen sind aber endlich und der Abbau ökologisch umstritten. Es dauert Jahrhunderte, bis sich eine ein Meter dicke Torfschicht aus zersetzten Pflanzenteilen gebildet hat. Neue Flächen für den Abbau stehen hierzulande kaum noch zur Verfügung oder werden nicht freigegeben.

„Die Industrie ist daher seit langem auf der Suche nach neuen Wegen und Zukunftsstrategien für die Herstellung von Kultursubstraten und Blumenerden.“

Dr. Arne Hückstädt, Referent für Gartenbau und Umwelt beim Industrieverband Garten e.V. (IVG)

„Aber ganz so einfach, wie manch einer sich das vorstellt, ist das aber nicht. Denn für alle derzeit bekannten Ersatzstoffe gilt, dass sie zum einen zumeist nicht in der benötigten Menge und Qualität zur Verfügung stehen und zum anderen auch vielfach nicht die positiven Eigenschaften des Torfs besitzen.“ Gearbeitet wird derzeit vor allem mit Kompost, Rindenhumus, Holz- und Kokosfasern.

Torfersatz und Torfreduktion

Kompost wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Rasen-, Gehölz- und Heckenschnitt sowie Herbstlaub hergestellt. Er hat eine geringe Strukturstabilität und ist extrem nährstoffreich. Für Gewächse, die auf magere Böden angewiesen sind, ist er daher nicht unbedingt geeignet. Rindenhumus besitzt dagegen – ähnlich wie Torf –eine hohe Strukturstabilität und einen stabilen pH-Wert, allerdings ist die Fähigkeit Wasser zu speichern wesentlich geringer. Gewonnen wird es vor allem aus den kompostierten Rinden von Nadelhölzern, die bei der Holzverarbeitung anfallen. Auch Holzfasern verfügen über eine gute Luft- und Wasserdurchlässigkeit. Auf Dauer zersetzen sie sich und verlieren ihre Struktur. Kokosfasern, die aus der äußeren Schicht der Früchte gewonnen werden, verfügen über viele der guten Eigenschaften des Torfs. Die Aufbereitung erfolgt zumeist in Europa, da diese hier wesentlich nachhaltiger und wassersparender möglich ist, als in den Herkunftsländern. Ein Nachteil bleibt aber der lange Transportweg.

„Die heute im Handel erhältlichen torffreien Substrate sind in der Regel Mischungen der verschiedenen bekannten Ersatzstoffe. Für Hobbygärtner gibt es mittlerweile eine ganze Reihe Produkte verschiedener Hersteller. Die meisten anderen Garten- und Balkonerden werden mittlerweile außerdem torfreduziert hergestellt. Das heißt, sie sind mit regional verfügbaren Rohstoffen angereichert. Auch das mindert in Summe natürlich den Torfbedarf deutlich“, so Hückstädt. „Auch für den Erwerbsgartenbau werden diese Alternativen vielfach bereits eingesetzt – allerdings müssen dann zuvor für jede Pflanzenart erst aufwändig sowohl chemische und physikalische als auch biologische und ökonomische Aspekte getestet werden.“ Da es für Anwender bisher häufig nur schwer oder verstreut fundierte Informationen zu Kultursubstraten und Blumenerden gab, hat der IVG im letzten Jahr mit den Mitgliedern der Fachabteilung Substrate, Erden, Ausgangsstoffe ein Substratbuch erarbeitet. Das 250 Seiten starke Werk stellt einzelne Ausgangsstoffe vor und erklärt chemische sowie physikalische Eigenschaften. Zudem erläutert es, welche gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden müssen und wie die interne und externe Qualitätssicherung aussieht. Der Inhalt ist kostenfrei im Internet erhältlich.

Ein relativ neues Verfahren, um den Torfabbau langfristig reduzieren zu können, wird derzeit in Niedersachsen auf verschiedenen Versuchsfeldern getestet. Hier wird Torfmoos angebaut. In zerkleinerter und getrockneter Form lässt sich daraus ein Substrat gewinnen, das vergleichbare Eigenschaften wie „gereifter“ Torf hat. Das Projekt wird von verschiedenen Universitäten begleitet. Testpflanzungen von Zierpflanzen und Gemüse haben vielversprechende Ergebnisse geliefert. Allerdings sind Produktion und Anbau derzeit noch sehr aufwändig und teuer.

Weitere Informationen: ivg.org

Mehr zu den aktuellen Trends bei Erden und Substraten erfahren Besucher der spoga+gafa, die vom 1. bis 3. September 2019 in Köln stattfindet, bei den IVG Power Places Green.

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Autor: Roland Moers

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