spoga+gafa 16.–18.06.2024 #spogagafa

DE Icon Pfeil Icon Pfeil
DE Element 13300 Element 12300 EN
Interview mit Friederike von Waldenfels von SustainNow

„Der Handel sollte zirkulärer denken“

Seite teilen
DruckenSeite drucken Lesedauer ca. 0 Minuten

Ihre Interessen und Arbeitsfelder sind vielfältig: Friederike von Waldenfels ist als Beraterin, Investorin und Vorstandsmitglied nachhaltiger Unternehmen tätig. In ihrem Podcast SustainNOW führt sie außerdem Interviews zu neuesten Lösungen für Klimaschutz in der gesamten Wertschöpfungskette des Handels. Wir sprachen mit ihr über Green Retail und die Zukunft von E-Commerce.

Friederike von Waldenfels © SustainNow

Friederike von Waldenfels (Bild: SustainNow)

Podcast für Klimaschutzlösungen

Frau von Waldenfels, in Ihrem Podcast führen Sie Gespräche mit Gründern von Startups und Wissenschaftlern zu innovativen nachhaltigen Lösungen für den Klimaschutz. Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Podcast gekommen?

Die Idee dahinter entstand, als ich in den letzten Jahren verschiedene Kurse an der ETH Zürich zu Themen wie dem Kohlenstoffkreislauf, Energiespeichersystemen, zirkulären Rohstoffmodellen und Carbon Removal-Technologien besuchte. Dabei habe ich festgestellt, dass es bereits viele Technologien und Prozesse gibt, die heute dazu beitragen, Treibhausgase zu reduzieren. Dennoch wurde in den Medien oft nur über das Problem, aber zu wenig über die Lösungen berichtet. Dies hat mich dazu motiviert, Gründer und Wissenschaftler zu interviewen und die Lösungen in den Mittelpunkt zu stellen.

Zirkuläres Denken im Gartenhandel (Bild: Koelnmesse GmbH)

Zirkuläres Denken als Geschäftsmodell für den Gartenhandel © Koelnmesse GmbH

Green Retail als Chance

Warum glauben Sie, dass Green Retail vergleichbar mit der digitalen Revolution vor 20 Jahren ist?

In den Anfangszeiten der digitalen Revolution gab es viele Skeptiker, die nicht daran glaubten, dass es möglich wäre, Möbel oder sogar Autos online zu verkaufen. Jetzt ist der Online-Handel ein Milliardenmarkt. Es brauchte Zeit, um Infrastruktur und Vertrauen aufzubauen, dass solche Dinge möglich sind. Ähnliches sehe ich bei der Green Revolution. Viele Händler zögern noch, einen mutigen Schritt zu gehen. Der Kundenkreis, der bereit ist, für Nachhaltigkeit mehr zu zahlen, ist aktuell auch noch überschaubar – besonders in Zeiten von wirtschaftlicher Unsicherheit.

Welche Chancen sehen Sie im Green Retail für Unternehmen?

Die digitale Revolution war vor allem eine Revolution der Dienstleistungen – der digitalen Dienstleistungen. Amazon wurde zwar groß durch den Online-Handel, aber erst mit AWS (Cloud-Diensten) und dem Marktplatz wurde es richtig erfolgreich. Ähnliches sehe ich bei der Green Revolution – der Handel sollte zirkuläres Denken in seine Geschäftsmodelle integrieren und mit Dienstleistungen erweitern, um Profite stärker in diese Richtung zu verschieben.

Zirkuläres Denken als Businessmodell

Sie haben langjährige Erfahrungen mit E-Commerce und dem Aufbau von Special Interest-Onlineshops. Wie lässt sich aus Ihrer Sicht E-Commerce nachhaltiger gestalten?

E-commerce oder Retail allgemein ist im Grunde genommen eine sehr lange Wertschöpfungskette. Um diese nachhaltiger zu gestalten ist es wichtig, die gesamte Kette zu betrachten und nicht mehr linear, sondern im Kreislauf zu denken. Jeder Schritt sollte genau überprüft werden, welche Möglichkeiten gibt es das zirkuläre Modell zu integrieren? Wo kann man daraus Service-Leistungen bilden? Retail funktioniert nur, wenn man damit Geld verdient und Nachhaltigkeit nicht als Charity sieht, sondern integriert als Businessmodell. Unternehmen sollten zirkuläres Denken und einen Service-Gedanken in der gesamten Wertschöpfungskette etablieren. Alle Ebenen des Managements müssen daran glauben, dass eine nachhaltige Vision auch nachhaltige Gewinne bringen kann.

Friederike von Waldenfels als Keynote Speaker (Bild: SustainNow)

Zirkuläres Denken als Geschäftsmodell für den Gartenhandel © Koelnmesse GmbH

Zukunft von E-Commerce

Wo sehen Sie E-Commerce in der Zukunft, insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit?

Meine Hoffnung ist, dass der E-Commerce in zehn Jahren weiter fortgeschritten ist. „Die meisten Menschen überschätzen, was sie kurzfristig erreichen können, und unterschätzen, was sie langfristig erreichen können.“ Laut dem Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und dem Europäischen Klimagesetz müssen wir bis 2030 eine CO2-Reduktion von 55 Prozent erreicht haben. Das Gesetz betrifft zwar nur direkt den EU-Emissionshandel, aber es ist eine enorme Herausforderung für alle Branchen. Nachhaltigkeit sollte jedoch nicht nur als Risikofaktor betrachtet werden, sondern als Chance, sich neu zu positionieren. Die Kosten für die Anpassung an die erhöhten Temperaturen und die wirtschaftlichen Folgen der Klimaveränderung sind viel größer als die Investitionen, die jetzt notwendig sind für die Reduktion der Treibhausgase.