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Lebendige Gärten: BGL engagiert sich

22.07.2020

Natürlich sind Steine, Kies und Schotter als Gestaltungselemente im Garten nicht per se schlecht. – Foto: BGL

Wann genau die Versteinerung der Gärten angefangen hat, kann wohl niemand sagen. Irgendwann fiel auf, dass immer mehr private Grünflächen grauem Schotter weichen mussten. Doch seit einiger Zeit regt sich Widerstand …

So macht sich der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) e.V. mit seiner Öffentlichkeitsarbeit seit langem für begrünte, artenreiche Gärten stark. Im Spätsommer 2019 erhielt die Initiative ‚Rettet den Vorgarten‘, die bereits 2017 vom BGL ins Leben gerufen wurde, sogar den PR Report Award in der Kategorie Content-Strategie. Die Jury überzeugte vor allem, dass es dem Branchenverband der Landschaftsgärtner gelungen ist, eine gesellschaftliche Debatte zum Thema (Vor-)Gartengestaltung anzustoßen und dazu beizutragen, dass lebendige Pflanzen wieder die Hauptrolle in Gärten spielen.

Sauber und pflegeleicht?

Vor allem in Neubaugebieten ist das Phänomen zu beobachten: Wuchsen früher vor den meisten Häusern noch Stauden, Bäume und Hecken, so gibt es heute immer mehr Flächen, die komplett versiegelt sind oder mit Kies- und Schotteraufschüttungen angelegt wurden, in denen maximal das ein oder andere immergrüne Formgehölz zu finden ist. Bei einer vom BGL in Auftrag gegebenen GfK- Marktforschung aus dem Jahr 2017 gaben 80 Prozent aller befragten Kiesgartenbesitzer „Pflegeleichtigkeit“ als Hauptmotiv für diese Flächenversiegelung an. Besonders Männer (88 Prozent) waren der Meinung, dass mit Steinen oder Kies abgedeckte Areale dauerhaft leicht und ohne großen Arbeitsaufwand sauber zu halten seien. In Fachkreisen ist jedoch lange bekannt, dass dies nicht der Fall ist. Vor einem hohem Pflegeaufwand warnt beispielsweise auch die Natur- und Umweltschutzakademie NRW: „Organisches Material wie Pollen, Blüten, Sande, Samen und Blätter fallen zwischen die Steine und verrotten. Es bildet sich eine Humusschicht und erste Wildkräuter keimen. Algen, Moose und Flechten siedeln sich an. Eine Verfärbung tritt ein. Der Garten wird unansehnlich. Der Einsatz von Herbiziden ist verboten, und wer zum Abflämmgerät greift, zerstört die Folie unter den Steinen."

Vor allem in Neubaugebieten ist das Phänomen zu beobachten: Vor vielen Häusern sind die Flächen komplett versiegelt oder mit Kies und Schotter gestaltet. – Foto: BGL

Positive Effekte von bepflanzten Gärten aufzeigen

Der strategische Ansatz des BGL gegen die Versteinerung zielt darauf ab, nicht gegen Schotterwüsten zu wettern oder zu polemisieren, sondern mit guten Argumenten für die individuelle und abwechslungsreiche Gestaltung von Gärten und Vorgärten zu werben. Und positive Effekte gibt es viele: So haben begrünte Flächen beispielsweise einen positiven Einfluss auf das Kleinklima im Wohnumfeld, denn Pflanzen produzieren Sauerstoff, verarbeiten Kohlendioxid und binden Feinstäube. Außerdem spenden sie Schatten und kühlen die Luft, indem sie Wasser über ihre Blätter verdunsten – ganz anders als Steine, die sich tagsüber stark aufheizen und noch nachts Wärme abstrahlen. Ein weiterer Vorteil: Regenwasser kann in Grünflächen besser versickern, als in teilversiegelten Bereichen. Besonders bei den immer häufiger auftretenden Starkregenereignissen ist das ein entscheidender Vorteil, denn so kann eine Überlastung der Kanalisation und eine daraus resultierende Überschwemmung verhindert werden. Und nicht vergessen werden darf: Bepflanzung bietet Vögeln und Insekten wichtigen Lebensraum und nicht zuletzt wird auch das gesamte Straßenbild durch Blätter und Blüten freundlicher und ansprechender. „Mit Presseberichten, Social-Media-Aktivitäten, Informationsblättern, Veranstaltungen für Medienvertreter und Multiplikatoren, Journalistenwettbewerben, Kooperationen mit Radio und TV sowie einer Vernetzung mit anderen Interessengruppen haben wir eine breite Debatte entzündet, die wirkt“, sagt Achim Kluge, Vizepräsident des BGL und Vorsitzender des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit. „Auch innerhalb unseres Berufsstandes diskutieren wir viel. Als Branche setzten wir uns dafür ein, dass die Vorgärten und Gärten wieder zu Orten werden, die diese Namen auch verdienen.“

Eine nicht zu unterschätzende Größe

Klar: Ein einzelner Garten oder Vorgarten ist nur eine kleine Fläche. Viele Hausbesitzer sind sich deshalb gar nicht bewusst, dass ihre Gestaltungsentscheidungen auch Auswirkungen auf das Lokalklima haben. Das ist jedoch der Fall: Denn die Summe der privaten Grünflächen in der Stadt ist eine ernstzunehmende Größe. Aus diesem Grund ist das Schotterthema mittlerweile auch in der Landes- und Kommunalpolitik angekommen und wird heiß diskutiert. Viele Kommunen sind in diesem Zuge bereits aktiv geworden und haben offizielle Regeln für die Vorgartengestaltung aufgestellt und Flächenversiegelung verboten.

Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. macht sich für begrünte, artenreiche Gärten stark. – Foto: BGL

Mit der Natur denken

Natürlich sind Steine, Kies und Schotter als Gestaltungselemente im Garten nicht per se schlecht. Es kommt aber darauf an, wie man sie einsetzt. Wichtig ist, dass sie nicht die Hauptrolle spielen und den Pflanzen ausreichend Raum zum Wachsen und Blühen lassen. So kann man beispielsweise selbst in einem nachhaltigen Garten durchaus Kieswege anlegen, Spritzschutzstreifen aus Schotter entlang der Hauswand ziehen, Trockenmauern bauen oder Findlinge als Blickfang zwischen der Bepflanzung positionieren. Auch bei Staudenpflanzungen ist das Mulchen mit Kies oder Split ökologisch und gärtnerisch durchaus sinnvoll. Zu Anfang nehmen die Steinchen zwar noch einen großen Anteil des Raums ein, doch nach und nach werden sie vom Grün überwuchert. „Die aktuelle Debatte um Schotterflächen verleitet dazu, Steine und Kies generell zu verteufeln. Tatsächlich tut man den grauen Naturmaterialien damit aber unrecht“, betont Kluge. „Wir plädieren für eine bedachte Verwendung, die nicht gegen, sondern mit der Natur denkt.“

Mehr unter: rettet-den-vorgarten.de und galabau.de

Autor: Roland Moers

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